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Vorträge / Unterrichtsmaterialien
Formuntersuchungen von Menuetten von Telemann Menuette in den Clavierwerken von J.S. Bach
Das innerhalb einer Suite in der Nachbarschaft von Gavotte und Courante befindliche Menuett ist ein mäßig schneller Tanz im Tripeltakt (3/4, seltener: 3/8 oder 6/8), der zweiteilig angelegt ist. Die standardisierte Form hat folgenden Aufbau: Jeder Teil wird wiederholt, |: a :| |: b :|. Am Ende des ersten Abschnittes (a) wird entweder zur Dominante moduliert, auch halbschlussartige Wendungen finden sich öfter. Seltener endet dieser Teil in der Tonika oder anderen Funktionen. Der zweite Abschnitt (b) führt dann zunächst zu den entlegeneren Nebenstufen um dann wieder zur Tonart zurückzukehren. Entgegen den unregelmäßigen Bildungen der Frühzeit (Drei- und Sechstaktigkeit) setzt sich im Verlauf der Entwicklung ein regelmäßiger Aufbau immer stärker durch. J.J. Rousseau sagt hierüber in seinem "Dictionnaire de Musique" (Paris 1767): "Die Taktzahl der Melodie in jeder ihrer Wiederholungsabschnitte muß 4 oder ein vielfaches von 4 sein, weil man soviel braucht um einen Menuettschritt auszuführen; und der Musiker muß sein Augenmerk darauf richten, diese Einteilung durch markierte Periodeneinschnitte merken zu lassen, um dem Ohr des Tänzers zu helfen und ihn im Takte zu unterstützen." Varianten des Grundmodells sind in Barockzeit vielfach nachzuweisen.
J.G. Walther schreibt in seinem Musikalischen Lexikon (1732): "Die Melodie dieses Tanzes hat ordentlich 2 Repetitiones, deren jede zweimal gespielt wird; jede Reprise aber 4 oder 8 takte, oder doch wenigstens, bei gemachter Exeption ( da sie anders zum Tanzen nicht [Felbick?] unbrauchbar seyn soll) keinen ungeraden numerum der Takte."
J. Mattheson schreibt in seinem Buch "Der vollkommene Capellmeister"(1739) "Wir wollen an dem Menuett hievon ein solches Beispiel zeigen, welches bey allen übrigen, als ein Muster, zur Zergliederung dienen kann" Es folgt ein Notenbeispiel, bei dem der erste und der zweite Teil des Menuetts jeweils 8 Takte hat und deren erster teil in der Tonika endet.
Das Menuett beginnt in der Regel volltaktig, wobei allerdings der erste Takt insgesamt quasi einen Auftaktcharakter zum zweiten Takt hat. In diesem 2. Takt ist eine rhythmische Eigentümlichkeit die Betonung der zweiten Taktzeit, wobei dieser Ton häufig durch einen Triller verziert wird. Nachdem im ersten Takt häufig drei Viertel dominieren, ist dann im zweiten Takt auch die Folge Halbe-Viertel häufig. Die erste Zählzeit besteht häufig aus einer Viertel. Die kleineren Werte finden sich eher auf den anderen Zählzeiten. Schon bei Lully folgt dem Menuett ein Formteil, der wegen seiner Besetzung von nur drei Instrumenten Trio genannt wird, während der danach noch einmal zu wiederholende Hauptsatz 5-stg. Orchesterbesetzung hat. In der Barockzeit sind auch "menuettartig" angelegte Lieder sehr beliebt. In der Wiener Klassik wird das Menuett in stilisierter Form verwendet, wobei auch hier das Trio eine intimere Faktur aufweist. Für die vorklassische und die klassische Musik ist das Menuett hinsichtlich seiner Periodenbildung so stiltypisch, daß die Komposition im 18.Jh. weitgehend an Hand des Menuetts gelehrt wurde.(s. Marten)
Literatu:
Haydns Menuette, in: Diether de la Motte, Melodie Kassel 1993
Heinrich Marten, Das Menuett, Berlin 1957
Georg Phillipp Telemann, Sieben mal sieben und ein Menuett (1728), Wolfenbüttel 1965
Riemann Musiklexikon, Sachteil S. 562, Mainz 1967
H.Goldmann, Das Menuett in der deutschen Musikgeschichte des 17. und 18. Jh., Diss. Erlangen 1956